Experimentelle Endlosschleife – E-Violinist Chris Reitz

Vollkommen verschiedene musikalische Einflüsse miteinander zu verbinden – das machen viele. Dies schon mit 23 Jahren zu tun, ist schon seltener. Und dafür eine E-Violine in die Hand zu nehmen, ist mehr als außergewöhnlich. Doch dem jungen Luxemburger Chris Reitz wurde die Liebe zum Streichinstrument in die Wiege gelegt: Als Sohn eines Geigenbauers fing er bereits mit sieben Jahren an, dem geschwungenen Holzkörper erste Töne zu entlocken. Heute leistet er mit seinem Projekt „All Reitz reserved“ Pionierarbeit an den Saiten. Überzeugen kann man sich davon am Samstag, 23. Oktober, um 21 Uhr im Miss Marples.

Chris Reitz‘ großes Geheimnis ist nicht allein sein unglaubliches Talent an der Violine, sondern seine Loop-Station. „Sie ist meine Band, mein bester Freund und zugleich mein schlimmster Feind“, fasst er zusammen. „Mit ihr kann ich mich live auf der Bühne aufnehmen und diese Mini-Aufnahmen immer und immer wieder abspielen.“ Die Technik ist ebenso simpel wie herausfordernd: Chris Reitz nimmt kurze Sequenzen mit seiner Violine auf und loopt sie (vom englischen „loop“ – „Schleife“ oder auch „Zyklus“), spielt sie also in einer Endlosschleife ab. Auf diese erste Aufnahme spielt er einen zweiten Rhythmus, den er erneut aufnimmt. Die neue Tonaufnahme umfasst dann also schon zwei verschiedene Rhythmen. Darauf folgen weitere, spontane Rhythmen, die jeweils hinzu addiert und aufgenommen werden.

Auf diese Weise kann Reitz verschiedene Tonspuren, die er jeweils selbst live eingespielt hat, überlagern und sie als Rhythmus-Set im Hintergrund abspielen lassen, während er in einem weiteren Schritt Melodien dazu improvisiert. „Ich kann auch vorbereitete Tracks mit auf die Bühne bringen, aber ich bevorzuge es, einen Song Schritt für Schritt aufzubauen. Das macht es für das Publikum leichter, den Aufbau zu verstehen und der Musik zu folgen“, erläutert Chris, der – zurecht – stolz darauf ist, als einer der ganz wenigen Künstler das Live Looping perfektioniert zu haben. „Man muss sich hierbei sehr konzentrieren. Du musst ja nicht nur die richtigen Noten spielen. Es geht auch darum, den richtigen Knopf zum richtigen Zeitpunkt zu drücken. Und wenn du neue Loops einspielst, ist keinerlei Raum für Fehler. Dann muss man wieder ganz von vorn anfangen, außer man möchte den Fehler alle zehn Sekunden für die nächsten fünf Minuten hören. Was ziemlich nerven kann.“

Chris‘ eigene musikalische Welt zeigt, dass man der Klassik treu bleiben kann ohne auf neue Einflüsse zu verzichten. Er verbindet sie mit Pop und Rock, Blues und Jazz, Ambient und House. Genau diese Flexibilität ist es, die Chris Reitz an seiner Loop Station so fasziniert. Und obwohl er seine Faszination schon seit Anfang 2013 bei verschiedensten Events live vor dem Publikum auslebt und sich dabei einen immer größer werdenden Fankreis gesichert hat, hat der Luxemburger recht bescheidene Wünsche, wenn er auf die Bühne geht. „All Reitz reserved ist kein professionelles Musikprojekt. Ich möchte einfach die Musik und die Möglichkeiten genießen, kreativ zu sein, aufgeschlossen zu bleiben und ein weitgehend unbekanntes Instrument einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.“ Letzteres wird ihm hoffentlich am Samstag im Miss Marples gelingen.

E-Violinist Chris Reitz einzigartiges Projekt verbindet E-Violine und eine Loop-Station // Samstag, 24. Oktober, 21 Uhr // Miss Marples